04
Aug

Zu-viel-Zeug

Immer wenn ich durch einen Laden gehe, sei es H&M, Ikea oder ein Feinkostladen sehe ich unglaublich viele Sachen, die ich unbedingt brauche. Wie bin ich bloß mein Leben lang ohne klar gekommen? Jahrelang ist mir das irgendwie kaum aufgefallen, meine Sachen waren alle verteilt, ein bisschen was bei meinen Eltern, ein bisschen was bei mir und immer wieder einiges im Koffer, weil ich mal wieder am Wochenende unterwegs war.

Jetzt bin ich endlich wieder in eine eigene Wohnung gezogen (nach meinem kleinen Ausflug in die Hölle für Umweltbewusste – eine 11er WG). Dabei ist mir das erste Mal aufgefallen, wie viel Zeug ich eigentlich habe. Als der Transporter ausgeladen war, konnte man sich in der eigentlich gar nicht so kleinen Wohnung kaum noch bewegen. Laut Statistischem Bundesamt besitzen wir Deutschen im Durchschnitt ungefähr 10.000 Dinge schreibt Stefan Kern. Hinter den 2506 Gegenständen die die Architektin Henrike Gänß bei sich zuhause zählte, stecken schockierende 30.000 Tonnen CO2. Ich vermute bei mir hat sich schon jetzt deutlich mehr angesammelt. Allein in meinem Kleiderschrank habe ich gut 500 Teile gezählt, und dabei bestimmt noch einige verpasst. Ich musste sogar einen größeren Kleiderschrank besorgen (natürlich gebraucht), jetzt wo alle meine Kleidung wieder an einem Ort ist. Und das obwohl ich vorher schon 4 oder 5 Müllsäcke voll zur Kleidersammlung gebracht hatte. Da stellt sich mir die Frage, wie viel davon ich eigentlich wirklich brauche, und warum ich ständig noch etwas kaufen möchte. Und trotz der vielen Sachen, fielen mir beim Einrichten wieder Sachen ein die ich unbedingt haben muss, und musste ich bei Ikea shoppen gehen.

Um daran mal etwas zu ändern habe ich beschlossen, ein Selbst-Experiment zu starten. Als ersten Schritt werde ich Kleidungsstücke, Deko, und andere Besitztümer, die ich selten benutze aussortieren und verstauen. Die Idee ist, dass ich dort dann wieder etwas herausholen kann, wenn ich es brauche, und auch erst einmal da hineinschaue, wenn ich das Bedürfnis habe, etwas Neues zu kaufen. Vielleicht kann ich dann den Wert mancher dieser Dinge wiederentdecken. Alles was ich im Laufe des Jahres nicht vermisst oder wiederentdeckt habe, kann ich danach dann verschenken, spenden oder recyceln. Ich werde nach einer Weile mal ein Fazit ziehen und euch mitteilen wie es gelaufen ist. Mal schauen, wie viele Teile mein Kleiderschrank am Ende des Jahres noch beherbergt.

Aber das Experiment soll noch weiter gehen. Ich werde außerdem versuchen, meine Einkäufe zu überwachen. Ab jetzt werde ich alles, was ich kaufe (bis auf mein täglich Brot, Mülltüten, ihr wisst was ich meine) aufschreiben. Nicht nur was, und für wie viel – sondern vor allem auch warum ich das jetzt gekauft habe. Das Ziel dabei ist, dass ich nicht mehr einfach kaufe was mir über den Weg läuft, sondern nur noch Sachen, die ich wirklich brauche, also zum Beispiel eine Jeans, wenn meine alte kaputt ist. Bei Dingen, die ich wirklich noch brauche, oder sehr gerne haben möchte, besonders Kleidung, werde ich dann versuchen, sie Second Hand zu kaufen.

Ein interessanter Zeitungsartikel zu diesem Thema berichtet über Andere, die bereits zu ähnlichen Schlussfolgerungen zum Thema „Zu-viel-Zeug“ wie ich gekommen sind, und daraus viel extremere Konsequenzen gezogen haben. Beispiele dafür die 100-Thing-Challenge von Dave Bruno, wo das Ziel darin besteht seinen Besitz auf 100 Teile zu reduzieren. Oder der Cult of Less von Kelly Sutton. Die Motivation dahinter reicht von persönlichem Wohlbefinden zu Konsumkritik. Bei mir ist es wohl eher Letzteres, denn ich  muss leider zugeben, ich mag mein Zeug. Ich hoffe durch mein Experiment auch Ersteres zu entdecken. Auch dazu werde ich euch auf dem Laufenden halten!

Foto: Jori Wefer

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