Konsumwahn an Weihnachten
10
Dez

Alle Jahre wieder… der weihnachtliche Konsumwahnsinn

Ursprünglich war Weihnachten einmal das Fest der Liebe. Heute heißt Weihnachten Konsum. Er zeigt sich in Form von sinnlosen Geschenken, maßlos viel Essen und Coca Cola Weihnachtswerbung. Das schadet der Umwelt und unserer Seele. Können wir einen Weg raus aus dem weihnachtlichen Konsumwahn finden? 

Es ist wieder soweit: Die Häuser sind geschmückt, überall duftet es nach Orangen und Zimt, Kinder platzen fast vor Vorfreude, es werden Butterplätzchen gebacken und sich mit Glühwein betrunken – und manche träumen noch immer von einer weißen Weihnacht.

Wir alle haben unsere kleinen vorweihnachtlichen Traditionen und freuen uns darauf, die Feiertage gemeinsam mit Familie und Freunden zu verbringen wollen. Ich sehe es auch als absolut unproblematisch, Weihnachten ohne religiöse Motivation zu feiern. Denn warum sollten man es nicht einfach als gute Gelegenheit betrachten, eine schöne und friedliche Zeit zu verbringen? Das ist zumindest die gute Seite der Geschichte…

Besinnlichkeit sieht anders aus

Die Schattenseite ist der kontinuierlich steigende Drang zum Überkonsum verknüpft mit Weihnachten: Maßlose Shopping-Eskapaden, Überfütterung und eine hemmungslose Verschwendung an Geld und Ressourcen. Das ist zwar sowieso schon alles Teil unserer Gesellschaft, doch wird im Dezember gerne noch mal eins drauf gelegt.

An Weihnachten geht es längst nicht mehr nur um Religion, Familie oder Dankbarkeit. Heute bedeutet Weihnachten Konsum. Es geht um blinkende Einkaufszentren voll mit Produkten, die keiner braucht, kitschige Weihnachtsdekoration, die jedes Jahr neu gekauft wird und grelle Werbetafeln, die sicherlich epileptische Anfälle auslösen könnten, wenn man aus Versehen zu lange hinschaut.

Es scheint, als habe sich Weihnachten von dem ehemaligen Fest der Liebe und Ruhe in ein maßloses Konsum- und Müll-Festival verwandelt, bei dem der Fokus ganz klar auf Geschenken, Prunk und zu viel Essen liegt.

Von Weihnachtsgeschenken & Geschenkpapier

Der Durchschnitts-Deutsche gab im Jahr 2014 etwa 260 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Damit liegen wir etwas über dem EU-Durchschnitt. Das klingt noch bescheiden? Stimmt. Denn ausnahmsweise befinden sich die Deutschen einmal nicht unter den Top Konsumenten, sondern erreichen nur Platz 6 im europäischen Weihnachtsshopping-Wettlauf. Der Gewinner ist die UK mit umgerechnet 408 Euro, was aber nichts im Vergleich zur USA ist (wen wundert es…). Eine Umfrage ergab, dass die Menschen in der USA dieses Jahr (2017) erwarten, durchschnittlich 900 US Dollar (!) für Geschenke auszugeben.

Das Schenken ist dabei häufig ein Zwang und führt nicht selten zum Kauf überteuerter Sinnlosigkeiten, die niemand braucht. Abgesehen von dem Drang irgendwas-Hauptsache-etwas zu kaufen, werden auch die Wunschlisten immer länger und zeugen nicht gerade von Bescheidenheit. Hinzu kommt, dass Geschenke durch eine mehr als fragwürdige Tradition in Geschenkpapier verpackt werden. Etwa 10% mehr Papierverpackungen als normalerweise landen in Deutschland über Weihnachten in der Mülltonne.

Dabei handelt es sich nur selten um Recycling-Papier – es werden also Bäume abgeholzt, nur damit wir sowieso schon verpackte Produkte in Papier mit Stern-Motiven wickeln können.

Der Adventskranz reicht nicht mehr

Und wie sieht es mit Bescheidenheit bezüglich der Weihnachtsdekoration aus? Fehlanzeige. Der gute alte Adventskranz ist längst nicht mehr genug. Die Menschheit braucht Weihnachtstischdecken, Weihnachtspullis, Weihnachtsfußmatten, Weihnachtskissen und sogar Weihnachtsklodeckel. Und offensichtlich brauchen wir jedes Jahr mehr davon.

Bereits Anfang November werden wir geblendet von einem Überfluss an Krimskrams, der zwar teuer verkauft, aber irgendwo in China auf billigste Weise von einem armen Menschen hergestellt wird, der garantiert kein Weihnachtsgeschenk bekommt.

Wir werden manipuliert von Reklametafeln, welche die Illusion vermitteln, dass all das zu Weihnachten gehört und oben drauf noch geistig verwirrt durch die ganzen Leuchtsterne und Weihnachtswichtel, mit denen man zwangsläufig konfrontiert wird. Und so wandern wir wie Zombies durch ein künstliches Winter Wonder Land und kompensieren die fehlende Liebe mit glitzernden Nichtigkeiten und zu viel Rum im Punsch.

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich finde das alles ziemlich verstörend. Es erinnert mich eher an eine Überdosis psychodelischer Substanzen als an Besinnlichkeit.

Stell dir vor: Weihnachten ohne Konsumwahn

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht der Grinch. Ich bin nicht gegen Weihnachten und obwohl ich keine religiösen Gründe habe, verbringe auch ich die Feiertage gerne mit den Menschen, die mir wichtig sind. Aber ich bin gegen diesen Überkonsum, dem Kaufzwang und der Verschwendung dahinter.

Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass wir darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist– nicht nur an Weihnachten, sondern generell im Leben. Es gibt so viele Möglichkeiten seinen Liebsten mit nachhaltigeren (und unverpackten) Geschenken eine Freude zu machen – und wenn man unbedingt darauf besteht, kann man dabei trotzdem noch viel Geld ausgeben.

Aber weniger ist häufig mehr.

Gemeinsame Zeit und neue Erfahrungen

Wie besitzen sowieso schon zu viel Zeug. Was wir jedoch nicht genug haben, ist Zeit zusammen. Das könnte ein gemeinsames Abendessen sein, eine Einladung ins Theater oder ein Wochenendausflug. Eine andere schöne Option ist Bildung. Eine neue Sprache, Yoga-Stunden oder einen Kochkurs – wir hören niemals auf zu lernen und es hilft uns in jedem Alter geistig fit und optimistisch zu bleiben.

Secondhand Geschenke sind ebenfalls eine gute Sache. Vielleicht findest du etwas bei dir zu Hause, was du nicht mehr gebrauchen kann, worüber sich ein Anderer jedoch freuen würde. Es muss ja nicht der Schrottwichtel vom letzten Jahr sein… Und dann gibt es natürlich immer die Möglichkeit selbst etwas zu kreieren, was oftmals viel wertvoller ist als etwas gekauftes (vorausgesetzt man ist halbwegs talentiert ist, in dem was man tut).

Vielleicht entscheidest du dich sogar für ein geschenkfreies Weihnachten? Großartige Idee!

Fazit: Zurück zum Wesentlichen

    Wir müssen diese Einstellung ablegen, jedes Jahr mehr haben zu wollen und Kostbarkeit und Befriedigung nur in neuen, teuren Dingen zu sehen. Es gibt so viel zu entdecken, was über das Materielle hinausgeht. So ist es zumindest einen Versuch wert, sich von all dem Konsumzwang abzuwenden, der (nicht nur) Weihnachten bestimmt.

Allein schon deswegen, weil es uns etwas gibt, was man nicht kaufen kann: Befreiung.

Foto: unsplash.com/Andrew Neel

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